TARACEA

foto Pablo Neustadt

Taracea hat eine eigene Webseite: www.taraceamusic.com
Bis zum 4. Juni könnt Ihr bei der Produktion unseres neuen Album mit dabei sein, informiert Euch hier!

Mein Wohnort, San Lorenzo de El Escorial, wird geprägt von einem riesigen Klosterpalast aus dem 16. Jahrhundert. Das Ambiente lädt ein in der Geschichte zu stöbern und es leben überdurchschnittlich viele Musiker hier die sich mit Alter Musik beschäftigen. Über den Instrumentenbauer Demian Reolid lernte ich die Vihuela kennen, ein altspanisches Zupfinstrument das der Renaissance-Laute ähnlich ist und entschied mich dazu an einem Workshop teilzunehmen um meine ersten Versuche damit zu machen. So kam eines zum anderen: plötzlich meldete sich Ramiro Morales, der Lehrer für historische Zupfinstrumente am Konservatorium vor Ort bei mir weil er noch einen Platz in seiner Klasse frei hatte. Ich tauchte mehr und mehr ein in diesen Kosmos der leisen Klänge und parallel begann ich in einem Renaissance-Chor mitzusingen. Mit der Zeit entstand der Wunsch, das neu Erlernte mit meiner eigentlichen musikalischen Heimat zu verbinden. So begann ich, die Vihuela mitzunehmen zu den Bandproben meines Trios Solano um zu sehen wie die historischen Stücke mit einer Kontrabass/Percussion – Begleitung klingen würden. Das Ergebnis war erstaunlich organisch und so bekam die Alte Musik ihren Platz im Repertoire. 2013 nahmen wir das Album „Viento Adentro“ auf, welches beim Madrider Label Youkali Musik erschien. Ausser meinen beiden Freunden Miguel Rodrigáñez (b) und Jesús Mañeru (prc) sind darauf Andreas Prittwitz am Sopran-Sax und Chris Kase an der Trompete zu hören.

Solano 2013, mit Miguel Rodrigáñez und Jesús Mañeru. Foto: Amando Moura

Durch die intensive Beschäftigung mit meinem Duo Zaruk machte Solano über ca. drei Jahre Pause. 2018 nahm ich den Faden wieder auf, wollte aber diesmal ein komplettes Repertoire mit Alter Musik kreieren. Ich entschloss mich, auf die Percussion zu verzichten und dafür ein Blasinstrument einzusetzen. So lernte ich die wunderbare Flötistin Belén Nieto kennen, eine Spezialistin für Block- und Traversflöten. Miguel ist nach wie vor dabei am Kontrabass. Das neue Trio nennt sich Taracea, nach der alten Kunst der Intarsien. Die Tänze, Lieder, Madrigale und Lauten-bzw Vihuelastücke des Repertoires stammen vorwiegend aus Renaissance und Frühbarock. In unseren Bearbeitungen versuchen wir, sie ins 21. Jahrhundert zu befördern. 2019 nahmen wir unsere erste CD, „Akoé“ auf. Dafür zogen wir uns auf einen wunderbar abegelegenen Hof in der spanischen Extremadura zurück und verbrachten dort sehr kreative und freundschaftliche Tage. Ausser der Taracea-Stammbesetzung waren als hochkarätige musikalische Gäste dabei: Isabel Martín, eine junge spanische Folk-Stimme und Percussionistin, der französische Serpent-Meister Michel Godard und der Percussionist David Mayoral, der ja schon zu Zaruk seine Rhythmen beigesteuert hat. Die CD wurde im April 2020 vom französischen Label Alpha Classics veröffentlicht. Leider wurden durch Corona alle Präsentationskonzerte abgesagt, aber nach dem ersten Schock fanden wir uns später im Jahr wieder zusammen und beschlossen, ein neues Repertoire zu erarbeiten während die Welt stillstand. So entstand „Desvíos a Santiago“, ein Programm über die Musik der Pilger und Reisenden, mit mittelalterlichen, Renaissance-, Barock- und traditionellen Stücken, in den für Taracea typischen Arrangements zwischen Alt und Neu. Isabel Martín und David Mayoral sind wieder mit dabei. Das Programm stellten wir im Juli 2021 beim Festival für Alte Musik Gijón vor. Im Januar 2022 begannen wir mit den Aufnahmen zum neuen Album, das im Juni erscheinen wird. Im Herbst 22 werden wir zum ersten Mal auf einem internationalen Festival spielen, dem London Festival of Early Music, LIFEM.