TARACEA/SOLANO

Taracea mit Belén Nieto und Miguel Rodrigáñez (Foto: Pablo Neustadt)

Mein Wohnort, San Lorenzo de El Escorial, wird geprägt von einem riesigen Klosterpalast aus dem 16. Jahrhundert. Das Ambiente lädt ein in der Geschichte zu stöbern und es leben überdurchschnittlich viele Musiker hier die sich mit Alter Musik beschäftigen. Über den Instrumentenbauer Demian Reolid lernte ich die Vihuela kennen, ein altspanisches Zupfinstrument das der Renaissance-Laute ähnlich ist und entschied mich dazu an einem Workshop teilzunehmen um meine ersten Versuche damit zu machen. So kam eines zum anderen: plötzlich meldete sich Ramiro Morales, der Lehrer für historische Zupfinstrumente am Konservatorium vor Ort bei mir weil er noch einen Platz in seiner Klasse frei hatte. Ich tauchte mehr und mehr ein in diesen Kosmos der leisen Klänge und parallel begann ich in einem Renaissance-Chor mitzusingen. Mit der Zeit entstand der Wunsch, das neu Erlernte mit meiner eigentlichen musikalischen Heimat zu verbinden. So begann ich, die Vihuela mitzunehmen zu den Bandproben meines Trios Solano um zu sehen wie die historischen Stücke mit einer Kontrabass/Percussion – Begleitung klingen würden. Das Ergebnis war erstaunlich organisch und so bekam die Alte Musik ihren Platz im Repertoire. 2013 nahmen wir das Album „Viento Adentro“ auf, welches beim Madrider Label Youkali Musik erschien. Ausser meinen beiden Freunden Miguel Rodrigáñez (b) und Jesús Mañeru (prc) sind darauf Andreas Prittwitz am Sopran-Sax und Chris Kase an der Trompete zu hören.

Solano 2013, mit Miguel Rodrigáñez und Jesús Mañeru. Foto: Amando Moura

Durch die intensive Beschäftigung mit meinem Duo Zaruk machte Solano über ca. drei Jahre Pause. 2018 nahm ich den Faden wieder auf, wollte aber diesmal ein komplettes Repertoire mit Alter Musik kreieren. Ich entschloss mich, auf die Percussion zu verzichten und dafür ein Blasinstrument einzusetzen. So lernte ich die wunderbare Flötistin Belén Nieto kennen, eine Spezialistin für Block- und Traversflöten. Miguel ist nach wie vor dabei am Kontrabass. Das neue Trio nennt sich Taracea, nach der alten Kunst der Intarsien. Die Tänze, Lieder, Madrigale und Lauten-bzw Vihuelastücke des Repertoires stammen vorwiegend aus Renaissance und Frühbarock. In unseren Bearbeitungen versuchen wir, sie ins 21. Jahrhundert zu befördern.